Passivrauchen – die unterschätzte Gefahr

Jeder Nichtraucher kennt den störenden Geruch von Zigarettenrauch, ärgert sich vielleicht darüber, vermeidet Lokale wo geraucht wird, oder toleriert den Rauch als unvermeidbare Begleiterscheinung in vielen öffentlichen Räumen. Die Freiheit, sich für den Aufenthalt in verrauchten Räumen zu entscheiden oder ihn zu vermeiden haben jene Menschen nicht, die in ihren Wohnungen mit Rauchern zusammenleben.

Andere sind am Arbeitsplatz, in Pausenräumen, Konferenzzimmern, Dienststellen, oder in Autos mit rauchenden Kollegen gezwungen die raucherfüllte Luft zu atmen. Diejenigen, die sich aber von allen Betroffenen am wenigsten zur Wehr setzen können und gleichzeitig am schwersten betroffen sind, sind die Kinder. Wenn Eltern in der Wohnung oder im Auto rauchen, rauchen die Kinder mit, oft vom ersten Lebenstag an. Die gesundheitliche Problematik, die sich daraus für die Betroffenen ergibt, wird weithin stark unterschätzt, oft bagatellisiert und auch von vielen Eltern nicht ernst genommen. Tabakrauch enthält viele entzündungserregende Inhaltsstoffe, einige davon fördern die Bildung von Krebserkrankungen (nicht nur von Lungenkrebs!). Viele Raucher erkranken im Lauf ihres Lebens an einer oder an mehreren typischen Raucherkrankheiten. Leider gilt das immer häufiger auch für Passivraucher.

Ich möchte hier besonders auf diejenige Gruppe von Mitrauchern aufmerksam machen, der eine viel höhere Rücksichtnahme entgegengebracht werden sollte, als es der Fall ist, nämlich die der Kinder. Die kindlichen Atemwege sind wesentlich empfindlicher für inhalierbare Schadstoffe als die von gesunden Erwachsenen. Das kann man schon ganz einfach daran erkennen, dass Kleinkinder wesentlich öfter an Atemwegsinfektionen (Entzündungen von Rachen, Kehlkopf, Bronchien, Nasennebenhöhlen) erkranken als ältere Kinder und Erwachsene. Passivrauchen erhöht die Infektanfälligkeit der Kinder ganz wesentlich. Viele Kinder entwickeln schon in ihren ersten Lebensjahren eine chronische Bronchitis, Asthma und, was vielfach unbekannt ist, nicht mehr gut zu machende Schäden an den feinsten, sensibelsten Strukturen der Lunge. Die kleinen Atemwege verengen sich, die Lungenbläschen erweitern sich, die Lunge bläht sich auf. Die Krankheit vieler Raucher, die sog. COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), entwickelt sich bereits bei kleinen Kindern und ich sehe viele Kinder und Erwachsene, die selbst nie geraucht haben, mit Schäden an ihrer Lunge, die mit keinem Medikament je wieder rückgängig gemacht werden können.

Es muss daher ganz stark an Tabak rauchende Eltern appelliert werden, in Räumen, in denen sich Kinder aufhalten, nicht zu rauchen. Dazu gehört ganz wesentlich auch das Auto! Eltern haben eine hohe Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder, die sehr ernst genommen werden sollte. Dieselben Überlegungen gelten sinngemäß natürlich auch für alle anderen Situationen, in denen Raucher die Gesundheit ihrer Mitbewohner, Kollegen usw. belasten.

 

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